DigiTain

Im Forschungsprojekt DigiTain werden Prozesse, Methoden und Modelle zur volldigitalen Produktent-wicklung und Zertifizierung nachhaltiger Elektroantriebsarchitekturen entwickelt und anhand eines Technologieträgers erprobt.

Ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Kriterien in der Fahrzeug- und Antriebsarchitekturentwicklung erfahren eine steigende Relevanz in Politik, Gesellschaft und Industrie. Die technisch-ökonomischen Kriterien der klassischen Produktentwicklung und -optimierung mit einer ökologischen Produktbewertung erst in der späten Phase der Produktentstehung sind deshalb nicht mehr ausreichend und zeitgemäß.

Die entwicklungsbegleitende Nachhaltigkeitsbewertung während des Produktentstehungsprozesses stellt die Entwickler derzeit vor große Herausforderungen, da geeignete digitale Prozesse, Methoden und Werkzeuge zur entwicklungsbegleitenden ökologischen Optimierung des Gesamtfahrzeugs einschließlich der Antriebskomponenten nicht verfügbar sind. Zudem fehlen verbindliche Standards zur volldigitalen Produktentwicklung und -bewertung, weshalb zur Zertifizierung noch eine Vielzahl experimenteller Absicherungsversuche vorgeschrieben sind.

In DigiTain werden deshalb genau solche Prozesse, Methoden und Modelle zur volldigitalen Produktentwicklung und Zertifizierung von Elektroantriebsarchitekturen entwickelt, die von Beginn an nicht nur auf die Entwicklung wettbewerbsfähiger Antriebe abzielen, sondern auch ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeitskriterien einbeziehen. Das Ziel ist eine ganzheitliche Gesamtfahrzeug- und Antriebsarchitekturentwicklung unter Berücksichtigung sämtlicher produkteigenschaftsinduzierter Bereiche. Die Anwendung und Validierung des nachhaltigkeitsorientierten Entwicklungsprozesses (NEP) sowie der entwickelten generischen Methoden und Modelle erfolgt am Beispiel der Entwicklung und Optimierung eines elektrischen Fahrzeuges mit hybrider Antriebsstrategie aus Brennstoffzellenaggregat und HV-Batteriesystem.

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DYNAmore verantwortet in DigiTain ein zentrales Arbeitspaket bei der Entwicklung neuer Ansätze der räumlichen Diskretisierung, homogenisierter, datengetriebener Werkstoffmodelle und implementiert diese in die Simulationsumgebung LS-DYNA. Hierzu werden zum einen verbesserte Elementformulierungen von Schalen- sowie Solidelementen für klassische FE-Technologie in Kooperation mit den Partnern der Universität Stuttgart entwickelt. Die Notwendigkeit hierzu erwächst aus geänderten Anforderungen an die strukturelle Lastabtragung im Crashlastfall infolge des geänderten Packagings neuer Antriebstechnologien. Zum anderen wird die neue Technologie der Isogeometrischen Analyse, in der LS-DYNA als Marktführer und Technologietreiber gelten kann, in Kooperation mit den Partnern BMW und Mercedes-Benz weiterentwickelt, sodass diese am Ende des Projekts produktiv in Gesamtfahrzeugmodellen einsetzbar sein wird. Weiter entwickelt DYNAmore mit den Spezialisten der Universität Stuttgart und der beteiligten Fraunhofer Institute homogenisierte, datengetriebene und skalenbrückende Werkstoffmodelle, um die aktuellen Grenzen der Prognosegüte in der Crashsimulation für feingliedrige Bauteile zu verschieben. Die vorgenannten Entwicklungen werden kollaborativ mit den Partnern in der Komponentenentwicklung vorangetrieben und final in einem Technologieträger eingesetzt. Und letztlich wirkt DYNAmore intensiv an der Entwicklung eines Modellbaukastens zur Standardisierung bzw. Zertifizierung von Simulationsmodellen mit.

„Mit der in DigiTain angestrebten, zukünftig noch besseren Prognosegüte von Modellen für die Crashsimulation, rückt die Zertifizierung dieser Modelle und die damit mögliche Homologation von Produkten über den digitalen Prototyp bzw. Zwilling in greifbare Nähe.“, so Professor André Haufe, Leiter des DYNAmore Material Competence Center. „Dies hilft nicht nur die sehr hohen Entwicklungsaufwände im Prototypenbau einzusparen, sondern auch die gesamte Entwicklungszeit noch weiter zu verkürzen, was den Entwicklungsingenieuren erlaubt, mehr Optimierungsschleifen für nachhaltigere Konstruktionen durchzuführen. Wir freuen uns mit diesem Entwicklungsbeitrag unseren Anteil für eine nachhaltigere Produktentwicklung leisten zu können.“